The Ocean Cleanup: Wie entwickelt sich das Projekt?

Boyan Slat (2018) Foto von Wikipedia.Org by DWDD – DWDD, CC BY 3.0.

Das Projekt „The Ocean Cleanup“ verfolge ich seit seiner Gründung. Ausgangspunkt: Gewaltige Mengen an Kunststoff gelangen über Flüsse und Küsten ins Meer. Derzeit schwimmen über 400 Tausend Tonnen Kunststoff auf der Wasseroberfläche. Diese Menge entspricht dem Gewicht von 4000 Blauwallen.

Das stellt eine akute Bedrohung für den Ozean und seine Bewohner dar, die leider oft qualvoll verenden müssen.

Ein Niederländer namens Boyan Slat wollte dieses Problem ändern und gründete vor 7 Jahren Ocean Cleanup.

Seine Stiftung folgt nur einem einzigen Ziel: die Meere so weit wie möglich von Plastikabfällen zu befreien. In einer Crowdfunding Kampagne haben die Menschen dafür 50 Millionen Euro gespendet.

Effektivität der Spenden

Die Crowdfunding Spende hat dem Unternehmen den Start erleichtern. Der Firmensitz von Ocean Cleanup nimmt mittelweile 4 Etagen beim Rotterdamer Hauptbahnhof ein. Hier arbeiten knapp hundert Festangestellte. Nur der Gründer ist fast nie dort. Er ist damit beschäftigt weitere Spender zu finden, die seine Vision teilen, und Vorträge rund um den Globus zu halten. Zusätzlich kommen immer neue Projekte dazu.

Das Unternehmen ließ ein 600 Meter langes Netz in Vancouver bauen, das in Nordpazifik Plastikabfälle herausfischen soll. Die ersten beiden „Interceptors“, die wie schwimmende Fließbänder aussehen, sind in Malaysia und in Indonesien in Betrieb gegangen. Der Dritte soll bald in Vietnam noch zugelassen werden. Mithilfe dieser Müllschlucker sollen 90 Prozent Plastik eingesammelt werden. Jeder von ihnen soll rund 700 tausend Euro gekostet haben. Aber sind sie wirklich so effektiv, wie wir zuerst angenommen haben?

Das eingesammelte Plastik

Der Managing Direktor Chris Warp weicht gerne der Frage aus, wie effektiv bis jetzt das Projekt war und wie viel Plastik insgesamt eingesammelt wurde. Bis jetzt konnte das Unternehmen nur paar Dutzend Säcke eingesammelten Plastik der Welt präsentieren. Diese Menge könnte jeder von uns an einem Tag in der Stadt einsammeln.

Prinzip der Sammler: A – Wind, B – Wellen, C – Strömung, D: Seitenansicht der schwimmenden Interceptors, Foto von Wikipedia.Org, Grafik by Anna Frodesiak – Eigenes Werk, CC0.

Theoretisch sollte jeder von den Interceptors täglich über eine Tonne Abfall aus dem Meer holen. Der erste war aber schon nach drei Monaten kaputt. Außerdem wurde bis jetzt festgestellt, dass nur ein Drittel von dem gesammelten Abfall tatsächlich Plastik ist. Der Rest waren Mikroorganismen und Wasserpflanzen. Schadet das nicht dem Ozean? Ocean Cleanup und sein Sponsor Danone rechtfertigen das damit, dass das Unternehmen noch Erfahrungswerte sammeln muss.

Gerade mal zehn Flüsse sind für die Hälfte des gesamten Plastikmülls im Meer verantwortlich. Die meisten Flüsse liegen in Asien und spülen jährlich 300 Tausend Tonnen Abfall ins Chinesische Meer. Wenn ein Interceptor tatsächlich mehrere dutzend Tonnen Plastik an einem Tag einsammeln könnte, wie das Unternehmen ursprünglich versprochen hat, könnten schon 50 davon den größten Fluss Chinas säubern. Ocean Cleanup hatte das Ziel bei der Gründung, ein Tausend solcher Müllschlucker in 5 Jahren auf den Flüssen zu platzieren. Das Ziel wurde vor rund sieben Jahren ausgesprochen und bis jetzt leider kein Stück daran näher gekommen.

Projekt unter Kritik

Heftige Kritik kommt auch von vielen Meeresschutzexperten. Die Behauptung von Ocean Cleanup, die Meere vom Plastikmüll zu befreien, sei schlichtweg irreführend und unaufrichtig. Diese Meinung vertritt der Vorsitzende der kalifornischen Küstenschutzbehörde, der sich mit dem Thema Müll im Meer schon lange beschäftigt. Der Interceptor beseitige nicht mal einen nennenswerten Teil des schwimmenden Plastiks. In der gesamten Rechnung würde es im besten Fall nur wenige Prozente der gesamten Menge in den Meeren machen.

Auch Meeresbiologen sind nicht von Ocean Cleanup überzeugt und schlagen Alarm. Der Interceptor unterscheidet nicht zwischen den Tieren und Plastik. Dabei ist die Wasseroberfläche im Meer ein bunter Biotop. Hier leben Mikroorganismen und sogar große Tiere. Manche Mikroorganismen können nahezu durch diese „Müllschlucker“ ausgerottet werden.

Ocean Cleanup – effektiv oder nur ein PR-Gag?

Die Idee vom Gründer von Ocean Cleanup Boyan Slat, Ozeane vom Plastik zu befreien, ist natürlich toll und verdient Hochachtung. Aber ist sie wirklich so neu oder ist das nicht eher eine neue Marketingstrategie, Geld zu sammeln?

Ebenfalls ist die Technologie nicht so neu. Schon seit 6 Jahren im Hafen von Baltimore ist ein ähnlicher Plastikschlucker im Einsatz.

Plastikmüll am Strand der französischen Küste.
Tonnen von Plastikmüll werden täglich an die Strände auf der ganzen Welt getragen.

Es gibt ebenfalls hunderte Organisationen, deren Helfer säubern viel gründlicher und günstiger die Klippen und Strände vom Plastikmüll. So wird auch keine Pflanze und kein Tier geschädigt.

Wäre es aber nicht noch viel effektiver, wenn das Problem an seinem Ursprung gelöst wäre? Dafür müssten nur die Gesetze und Abfallmanagement geändert werden. Plastik dürfe überhaupt nicht ins Meer gelangen. Natürlich wäre diese Lösung keine aufregende Technologie wie Ocean Cleanup. Dafür würde es aber mehr wirken.

Strategien zur Vermeidung von Plastikmüll packen das Problem am Ursprung und sind daher am effektivsten.

Plastikfreies Leben

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